Soziale Phobie gehört zu den häufigsten Angststörungen. Es handelt sich um die ausgeprägte Beschäftigung mit der Sorge, sich vor anderen Menschen peinlich zu verhalten. Während viele Menschen Nervosität im Sozialkontakt erleben, ist diese bei manchen Menschen so stark, dass sie den Alltag deutlich einschränkt. Die Angst tritt vor allem in Situationen auf, in denen Betroffene in die Aufmerksamkeit anderer Menschen geraten - zum Beispiel beim Sprechen vor Gruppen, beim Kennenlernen, beim Essen in der Öffentlichkeit oder beim Bestellen einer Pizza per Telefon. Während viele Menschen ein Gespräch üblicherweise ohne größere Selbstreflektion führen, läuft hier innerlich ein „Selbstbeobachtungsprogramm“ mit - jede Geste, jedes Wort wird genaustens analysiert. Dies wird auch als „Spotlight-Effekt“ bezeichnet - das Gefühl, wie auf einer Bühne im Scheinwerferlicht vor einem Publikum zu stehen.
Häufig kommt es auch zu einem ausgeprägten „Overthinking“ vor und nach sozialen Situationen, aber auch zu ausgeprägten körperlichen Reaktionen innerhalb der Situation selbst, wie zum Beispiel Erröten, Zittern, Schwitzen, Herzklopfen oder Übelkeit. Ebenfalls typisch ist ein starkes Vermeidungsverhalten (z.B. Absagen von Einladungen oder Umgehen von Gesprächen). Viele Betroffene wissen, dass ihre Angst übermäßig ist, können sie jedoch in den kritischen Situationen kaum kontrollieren. Nicht selten treten begleitend depressive Symptome oder ein erhöhter Alkoholkonsum auf, um die Angst kurzfristig zu dämpfen.
Die Soziale Phobie ist weit verbreitet: Etwa 7–12 % der Menschen in Deutschland erfüllen die Kriterien einer sozialen Angststörung. Dieser beginnt häufig bereits im Jugendalter.
Der theoretische Ansatz zur Reduzierung der sozialen Ängstlichkeit besteht unter anderem in der kritischen Auseinandersetzung mit negativen Grundannahmen über sich Selbst in sozialen Situationen, weiterhin in der Weglenkung der Aufmerksamkeit von sich selbst auf externe Dinge. Es wird davon ausgegangen, dass Konfrontation und Bewältigung bislang vermiedener sozialer Situationen das Selbstvertrauen stärkt und soziale Ängste verringert.